MethodeÜber unsKontakt
Strategieberatung buchen
Auswandern

Wegzugsbesteuerung Deutschland 2026: § 6 AStG, Höhe, Raten und legale Vermeidung

Clemens KohlbacherClemens Kohlbacher1. Mai 202513 min LesezeitAktualisiert: 8. September 2026
Wegzugsbesteuerung Deutschland 2026: § 6 AStG, Höhe, Raten und legale Vermeidung
Inhaltsverzeichnis

Wegzugsbesteuerung: Für Unternehmer und Investoren ist sie der teuerste Posten einer Auswanderung. Deutschland tut beim Wegzug so, als hättest du deine Anteile am Tag vor der Abmeldung verkauft, und besteuert den gesamten Wertzuwachs, den du nie realisiert hast. Bei einer GmbH, die aus 25.000 Euro Stammkapital zwei Millionen wert geworden ist, sind das schnell 500.000 Euro Steuer, ohne dass ein Cent geflossen ist.

Zwei Dinge haben sich zuletzt grundlegend geändert. Seit 2022 gibt es die zinslose Dauerstundung für Umzüge innerhalb der EU nicht mehr, stattdessen zahlst du in sieben Jahresraten, in der Regel nur gegen Sicherheitsleistung. Und seit dem 1. Januar 2025 trifft die Wegzugsteuer auch Privatanleger: Fonds- und ETF-Anteile ab 500.000 Euro Anschaffungskosten je Fonds fallen jetzt ebenfalls darunter.

Nachfolgend alles, was du 2026 zur Wegzugsbesteuerung wissen musst: wann sie greift, wie hoch sie ausfällt, wann sie fällig wird, was für ETFs und Privatvermögen gilt, welche legalen Wege es gibt und welche Fehler richtig teuer werden. Alle Zahlen und Paragrafen sind mit Quellen belegt, die du am Ende des Artikels findest.

Vorab: Dieser Artikel dient zu Informationszwecken und ersetzt keine Steuerberatung. Jeder Wegzug gehört individuell geplant, am besten zwölf Monate vorher.

Wegzugsbesteuerung Deutschland: Das kostet dich deine Auswanderung!

Definition

Die Wegzugsbesteuerung steht in § 6 des Außensteuergesetzes. Sie fingiert einen Verkauf: In dem Moment, in dem Deutschland sein Besteuerungsrecht an deinen Anteilen verliert, wird so getan, als hättest du sie zum Verkehrswert veräußert. Der Staat sichert sich damit die Steuer auf die stillen Reserven, die während deiner Zeit in Deutschland entstanden sind (Gesetze im Internet).

Der Punkt, der sie so unangenehm macht: Es fließt kein Geld. Du zahlst Steuer auf einen Gewinn, den du nicht realisiert hast, und musst die Liquidität aus anderen Quellen aufbringen. Wer das erst nach dem Umzug merkt, hat kaum noch Handlungsmöglichkeiten.

Voraussetzungen

Drei Voraussetzungen müssen zusammenkommen, dann noch ein auslösendes Ereignis.

Persönliche Voraussetzungen

  • Beteiligung ab 1 Prozent: Du hältst innerhalb der letzten fünf Jahre unmittelbar oder mittelbar mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft, also GmbH, AG, UG oder einer vergleichbaren ausländischen Gesellschaft.
  • Sieben von zwölf Jahren: Du warst in den letzten zwölf Jahren vor dem auslösenden Ereignis insgesamt mindestens sieben Jahre unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland. Die Jahre müssen nicht zusammenhängen (IWW).
  • Natürliche Person: Die Regelung trifft Menschen, nicht Gesellschaften.

Auslösende Tatbestände

  • Wegzug: Du gibst Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland auf, die unbeschränkte Steuerpflicht endet.
  • Unentgeltliche Übertragung: Du schenkst oder vererbst Anteile an eine Person, die nicht in Deutschland ansässig ist.
  • Ausschluss des Besteuerungsrechts: Ein Auffangtatbestand für alle übrigen Fälle, in denen Deutschland sein Besteuerungsrecht verliert oder es beschränkt wird, etwa durch die Verlegung des Gesellschaftssitzes oder eine Änderung des Doppelbesteuerungsabkommens. Das nennt sich passive Entstrickung und trifft dich auch ohne eigenes Zutun (IWW).

Entscheidend ist: Es genügt schon die Aufgabe des deutschen Wohnsitzes. Ob du dein Unternehmen behältst, ob du Geld ins Ausland bringst oder wie lange du wegbleibst, ändert am Auslösen nichts.

Höhe und Berechnung

Die Wegzugsbesteuerung ist keine eigene Steuer mit festem Satz, sondern Teil der Einkommensteuer. Die Rechnung läuft in drei Schritten.

Schritt 1: fiktiver Veräußerungsgewinn

Gemeiner Wert der Anteile am Tag des Wegzugs minus Anschaffungskosten. Bei nicht börsennotierten Anteilen wird der gemeine Wert in der Regel über das vereinfachte Ertragswertverfahren nach den §§ 199 ff. BewG ermittelt, also im Kern über den durchschnittlichen Jahresertrag mal Faktor 13,75 (Juhn Partner).

Schritt 2: Teileinkünfteverfahren

Von diesem Gewinn sind 60 Prozent steuerpflichtig, 40 Prozent bleiben steuerfrei. Das ist der wichtigste Rechenschritt und fehlt in vielen Darstellungen.

Schritt 3: persönlicher Steuersatz

Auf die steuerpflichtigen 60 Prozent kommt dein Einkommensteuersatz von bis zu 45 Prozent, dazu 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Steuer und gegebenenfalls Kirchensteuer.

RechenschrittBeispiel GmbHBeispiel Fonds
Verkehrswert am Wegzugstag2.000.000 €900.000 €
Anschaffungskosten25.000 €500.000 €
Fiktiver Veräußerungsgewinn1.975.000 €400.000 €
Steuerpflichtig (60 %)1.185.000 €240.000 €
Einkommensteuer 45 %533.250 €108.000 €
Solidaritätszuschlag 5,5 %29.329 €5.940 €
Steuer gesamtrund 562.600 €rund 113.900 €

Als Faustregel gilt: Rechne mit rund 27 bis 28 Prozent des Wertzuwachses, wenn du im Spitzensteuersatz bist. Ohne Kirchensteuer, mit ihr etwas mehr. Bei Investmentanteilen gelten leicht abweichende Teilfreistellungen je nach Fondsart, dazu unten mehr.

Fälligkeit, Raten und Sicherheitsleistung

Hier hat sich 2022 das Wichtigste geändert, und genau hier stehen im Netz noch die meisten veralteten Informationen.

Bis Ende 2021 wurde die Steuer bei einem Umzug innerhalb der EU oder des EWR zinslos und unbefristet gestundet, fällig erst beim tatsächlichen Verkauf. Diese Dauerstundung hat das ATAD-Umsetzungsgesetz zum 1. Januar 2022 abgeschafft. Seitdem gilt einheitlich für alle Zielländer, ob Österreich oder Dubai (Quellen 1 und 4):

  • Die Steuer wird mit dem Bescheid festgesetzt und ist grundsätzlich sofort fällig.
  • Auf Antrag kannst du sie in sieben gleichen Jahresraten zahlen. Die erste Rate ist einen Monat nach Bekanntgabe des Bescheids fällig, die weiteren jeweils am 31. Juli der Folgejahre. Zinsen fallen nicht an.
  • Das Finanzamt verlangt für die Ratenzahlung in der Regel eine Sicherheitsleistung: Bankbürgschaft, Verpfändung der Anteile oder Grundschuld auf eine inländische Immobilie.
  • Verkaufst du die Anteile während der Ratenzeit oder schüttest du wesentliche Gewinne aus, wird der Rest sofort fällig.

Praktisch heißt das: Auch wer nach Zypern oder Portugal zieht, muss zahlen. Der Unterschied zwischen EU und Drittstaat besteht nur noch bei der Sicherheitsleistung, die im EU-Fall unter Umständen entfallen kann.

Rückkehrerregelung

Wer nur vorübergehend ins Ausland geht, kann die Steuer wieder loswerden. Kehrst du innerhalb von sieben Jahren nach Deutschland zurück und wirst wieder unbeschränkt steuerpflichtig, entfällt der Steueranspruch rückwirkend. Auf Antrag verlängert das Finanzamt diese Frist um bis zu fünf Jahre auf insgesamt zwölf, wenn du eine Rückkehrabsicht glaubhaft machst (Der Betrieb).

Zwei Bedingungen musst du dabei einhalten: Die Anteile dürfen in der Zwischenzeit nicht verkauft, verschenkt oder in eine andere Struktur eingebracht worden sein, und es dürfen keine wesentlichen Gewinnausschüttungen erfolgt sein. Wer die Rückkehr von Anfang an plant, meldet das dem Finanzamt und beantragt, die Raten auszusetzen. Zurückgezahlte Beträge werden erstattet.

ETFs und Fonds seit 2025

Bis 2024 war die Wegzugsteuer ein Thema für Unternehmer. Seit dem 1. Januar 2025 trifft sie auch reine Privatanleger, und das ist die relevanteste Änderung der letzten Jahre.

Mit dem Jahressteuergesetz 2024 wurde § 19 InvStG eingeführt. Danach gilt die Wegzugsbesteuerung auch für Anteile an Investmentfonds und Spezial-Investmentfonds im Privatvermögen, wenn eine von zwei Schwellen erreicht ist (Noerr):

  • Die Anschaffungskosten betragen mindestens 500.000 Euro. Diese Grenze gilt je Fonds, nicht für das gesamte Depot.
  • Oder du hältst mindestens 1 Prozent der ausgegebenen Anteile des Fonds, was praktisch nur bei kleinen oder Spezialfonds vorkommt.

Betroffen sind damit auch ETFs. Wer 600.000 Euro in einem einzigen breit gestreuten ETF hält, löst beim Wegzug eine Besteuerung der stillen Reserven aus, obwohl er nie verkauft hat. Wer denselben Betrag auf drei Fonds mit je 200.000 Euro verteilt, fällt nicht darunter. Auch das Teilfreistellungsverfahren für Aktienfonds gilt weiter.

Nicht betroffen bleiben Einzelaktien, Anleihen, Immobilien, Gold und Kryptowährungen im Privatvermögen. Wer sein Vermögen also über Einzeltitel statt über wenige große Fonds hält, hat beim Wegzug kein Problem.

Entstrickung

Wer kein GmbH-Gesellschafter ist, ist nicht automatisch sicher. Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften greift statt § 6 AStG die Entstrickungsbesteuerung nach § 4 Abs. 1 EStG und § 12 KStG.

Verlagerst du dein Einzelunternehmen ins Ausland oder verlierst Deutschland durch deinen Wegzug das Besteuerungsrecht am Betriebsvermögen, gilt das Vermögen als zum gemeinen Wert entnommen. Besteuert werden die stillen Reserven in allen Wirtschaftsgütern, und dazu gehören auch immaterielle Werte: Marke, Kundenstamm, Website, E-Mail-Listen und Software. Gerade Online-Unternehmer unterschätzen das regelmäßig, weil sie glauben, ohne GmbH sei der Wegzug steuerfrei.

Wegzugsbesteuerung legal vermeiden

Alle wirksamen Gestaltungen setzen vor dem Wegzug an. Nach der Abmeldung bleibt nur noch die Ratenzahlung. Nachfolgend die Varianten, die in der Praxis funktionieren, jeweils mit ihrem Preis.

Umwandlung in eine GmbH & Co. KG

Eine Personengesellschaft fällt nicht unter § 6 AStG. Wird die GmbH vor dem Wegzug in eine GmbH & Co. KG umgewandelt und bleibt eine inländische Betriebsstätte mit echter Substanz zurück, entfällt die Wegzugsteuer. Der Preis: Die Struktur muss mindestens sieben Jahre gehalten werden (Sperrfristen des Umwandlungssteuerrechts), Geschäftsführung und Substanz müssen tatsächlich in Deutschland bleiben, und die laufenden Gewinne unterliegen weiter der deutschen Besteuerung.

Familienstiftung

Werden die Anteile vor dem Wegzug auf eine inländische Familienstiftung übertragen, hältst du sie nicht mehr persönlich, und der Tatbestand läuft ins Leere. Dafür fällt Schenkungsteuer an, in der Regel nach dem Steuerklassenprivileg der Familienstiftung, und alle 30 Jahre die Erbersatzsteuer. Das lohnt sich ab einem hohen siebenstelligen Vermögen. Wie eine Stiftung im Ausland funktioniert, zeigen wir am Beispiel Liechtenstein.

Schenkung an in Deutschland Ansässige

Überträgst du Anteile vor dem Wegzug an Kinder oder Partner, die in Deutschland bleiben, löst das keine Wegzugsteuer aus, weil das deutsche Besteuerungsrecht erhalten bleibt. Zu beachten sind Schenkungsteuer und Freibeträge, außerdem gibst du die Anteile tatsächlich aus der Hand.

Wegzug mit Rückkehrabsicht

Wer ohnehin nur einige Jahre ins Ausland will, meldet die Rückkehrabsicht an und nutzt die Sieben-Jahres-Frist mit Verlängerungsoption. Die Steuer wird festgesetzt, aber bei fristgerechter Rückkehr wieder aufgehoben.

Was nicht funktioniert

  • Anteile kurz vor dem Wegzug unter 1 Prozent drücken: maßgeblich sind die letzten fünf Jahre, nicht der Stichtag.
  • Wegzug ohne Abmeldung: Wer den Wohnsitz faktisch behält, bleibt unbeschränkt steuerpflichtig und hat zusätzlich ein Problem mit dem Finanzamt.
  • Anteile in eine Auslandsholding einbringen: löst denselben Tatbestand aus.
  • Verschweigen: Die Abmeldung ist meldepflichtig, die Beteiligung ist dem Finanzamt aus deinen Erklärungen bekannt.

Ablauf und Fristen

Wer strukturiert vorgeht, hat die Sache in zwölf Monaten geordnet. Nachfolgend die Reihenfolge, die sich in der Praxis bewährt hat.

  1. Bestandsaufnahme: Alle Beteiligungen ab 1 Prozent, Fondsdepots je Fonds über 500.000 Euro, Einzelunternehmen und Personengesellschaften erfassen.
  2. Bewertung: Verkehrswert der Anteile ermitteln lassen, am besten mit einem Gutachten nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren, um dem Finanzamt eine belastbare Zahl entgegenzusetzen.
  3. Gestaltung entscheiden: Umwandlung, Stiftung, Schenkung oder Rückkehrabsicht, je nach Vermögen und Zeithorizont. Fristen der Umwandlung beachten.
  4. Umsetzen: notarielle Schritte, Handelsregister, gegebenenfalls Stiftungsgründung, alles vor der Abmeldung.
  5. Abmelden: beim Einwohnermeldeamt, danach neuen Wohnsitz aufbauen. Wie das im Detail geht, steht im Artikel Aus Deutschland abmelden.
  6. Erklären: Der fiktive Veräußerungsgewinn gehört in die Einkommensteuererklärung des Wegzugsjahres, Anlage G und die Anlagen zum Außensteuergesetz. Antrag auf Ratenzahlung und gegebenenfalls Rückkehrabsicht gleich mitstellen.
  7. Nachhalten: Raten, Sicherheiten und Fristen im Blick behalten, jährliche Mitteilungspflichten gegenüber dem Finanzamt erfüllen.

Zuzugsland und Doppelbesteuerung

Die Wegzugsteuer ist nur die halbe Rechnung. Entscheidend ist, was das Zuzugsland mit deinen Anteilen macht, wenn du sie Jahre später wirklich verkaufst.

Viele Staaten gewähren einen Step-up: Sie setzen den Wert im Zeitpunkt des Zuzugs als neue Anschaffungskosten an. Verkaufst du später, wird nur der Wertzuwachs ab dem Zuzug besteuert. Österreich und die Schweiz arbeiten so, ebenso die meisten Doppelbesteuerungsabkommen mit einer entsprechenden Klausel. Damit wird derselbe Gewinn nicht zweimal besteuert.

Gefährlich sind Länder ohne Step-up und ohne Abkommen mit Deutschland. Dort kann derselbe Wertzuwachs erneut erfasst werden, ohne dass die deutsche Wegzugsteuer angerechnet wird. Paraguay etwa hat mit Deutschland kein allgemeines Doppelbesteuerungsabkommen, besteuert Auslandsvermögen aber ohnehin nicht, was das Problem in der Praxis entschärft. Vor dem Umzug lohnt der Blick in das konkrete Abkommen, das ist ein Punkt, den viele erst beim späteren Verkauf bemerken.

Kosten und Dauer

Jede Gestaltung hat einen Preis, und der ist fast immer ein Bruchteil der Steuer. Die folgenden Werte sind Erfahrungswerte aus der Beratung.

  • Unternehmensbewertung: 3.000 bis 15.000 Euro je nach Größe und Komplexität, oft die beste Investition, weil sie den Steuerwert senkt.
  • Umwandlung in eine GmbH & Co. KG: 8.000 bis 25.000 Euro für Notar, Handelsregister und Beratung, dazu laufende Kosten für die inländische Betriebsstätte.
  • Familienstiftung: 15.000 bis 40.000 Euro für Gründung und Satzung, dazu Schenkungsteuer beim Übertrag und laufende Verwaltung.
  • Steuerliche Begleitung des Wegzugs: 3.000 bis 10.000 Euro für Bestandsaufnahme, Antrag auf Ratenzahlung, Rückkehrerregelung und die Erklärung des Wegzugsjahres.

Zeitlich solltest du zwölf Monate einplanen. Umwandlungen brauchen Stichtage und Handelsregistereintragungen, eine Stiftung braucht Anerkennung, und eine Bewertung will vorbereitet sein. Wer drei Wochen vor dem Umzug anfragt, kann fast nichts mehr gestalten.

Österreich und Schweiz

Auch die Nachbarländer kennen eine Wegzugsbesteuerung, sie ist aber milder ausgestaltet.

Österreich besteuert beim Wegzug ebenfalls die stillen Reserven in Kapitalanteilen, gewährt bei Umzügen in EU- und EWR-Staaten aber weiterhin eine Ratenzahlung über fünf Jahre und kennt keine 1-Prozent-Grenze, sondern erfasst alle Kapitalvermögen. Details im Artikel Wegzugsbesteuerung Österreich. Die Schweiz erhebt keine allgemeine Wegzugsteuer auf Beteiligungen, dafür kann der Wegzug kantonale Folgen bei Grundstückgewinn- und Erbschaftssteuern haben.

FAQ

Nachfolgend die Fragen, die uns zur Wegzugsteuer am häufigsten gestellt werden.

Sie beträgt bis zu 45 Prozent Einkommensteuer plus Solidaritätszuschlag auf 60 Prozent des fiktiven Veräußerungsgewinns. Effektiv sind das rund 27 bis 28 Prozent des Wertzuwachses. Bei einer GmbH mit zwei Millionen Verkehrswert und 25.000 Euro Anschaffungskosten sind es rund 563.000 Euro.

Mit dem Steuerbescheid für das Wegzugsjahr. Auf Antrag kannst du in sieben zinslosen Jahresraten zahlen, die erste einen Monat nach Bekanntgabe des Bescheids. Das Finanzamt verlangt dafür meist eine Sicherheitsleistung.

Legal und wirksam nur vor dem Wegzug: Umwandlung in eine GmbH & Co. KG mit inländischer Betriebsstätte, Übertragung auf eine Familienstiftung, Schenkung an in Deutschland Ansässige oder ein Wegzug mit angemeldeter Rückkehrabsicht innerhalb von sieben Jahren.

Ja, seit dem 1. Januar 2025. Fonds- und ETF-Anteile im Privatvermögen fallen unter § 19 InvStG, wenn die Anschaffungskosten je Fonds mindestens 500.000 Euro betragen oder du mindestens 1 Prozent der Anteile hältst. Einzelaktien, Anleihen, Immobilien und Krypto sind nicht betroffen.

Ja. Die unbefristete zinslose Stundung für EU- und EWR-Umzüge wurde zum 1. Januar 2022 abgeschafft. Seitdem gelten für alle Zielländer dieselben Regeln, nur bei der Sicherheitsleistung kann es im EU-Fall Erleichterungen geben.

Kehrst du innerhalb von sieben Jahren zurück, auf Antrag bis zwölf Jahre, entfällt der Steueranspruch rückwirkend und bereits gezahlte Raten werden erstattet. Voraussetzung ist, dass die Anteile nicht verkauft und keine wesentlichen Gewinne ausgeschüttet wurden.

Auf Einzelaktien nur, wenn du mindestens 1 Prozent an der Gesellschaft hältst. Auf Krypto, Anleihen, Gold und Immobilien fällt keine Wegzugsteuer an. Fonds und ETFs sind seit 2025 ab 500.000 Euro je Fonds erfasst.

Über den gemeinen Wert am Wegzugstag. Bei nicht börsennotierten Anteilen wird er in der Regel nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren der §§ 199 ff. BewG berechnet, also aus dem durchschnittlichen Jahresertrag mal Kapitalisierungsfaktor 13,75. Ein eigenes Gutachten lohnt sich fast immer.

Die Entstrickung nach § 4 Abs. 1 EStG trifft Einzelunternehmen und Personengesellschaften. Verliert Deutschland das Besteuerungsrecht am Betriebsvermögen, gelten die stillen Reserven als aufgedeckt, inklusive Marke, Kundenstamm und Website.

Ja. Der fiktive Veräußerungsgewinn gehört in die Einkommensteuererklärung des Wegzugsjahres. Wer eine Ratenzahlung oder die Rückkehrerregelung nutzen will, muss das beantragen. Während der Ratenzeit bestehen jährliche Mitteilungspflichten.

Das ist eine Rechenaufgabe. Wer nach Zypern, Malta oder Dubai zieht und dort dauerhaft deutlich weniger Steuern zahlt, hat die Wegzugsteuer je nach Gewinnhöhe in zwei bis fünf Jahren wieder eingespielt. Wer nur wenige Jahre wegbleibt, nutzt besser die Rückkehrerregelung.

Zusammenfassung

Die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG ist der teuerste Einzelposten einer Auswanderung: bis 45 Prozent auf 60 Prozent des fiktiven Veräußerungsgewinns, fällig mit dem Bescheid oder in sieben Raten gegen Sicherheit. Die frühere EU-Dauerstundung existiert seit 2022 nicht mehr, und seit 2025 sind auch Privatanleger mit großen Fondspositionen betroffen.

Gestalten lässt sich das nur vorher. Wer zwölf Monate vor dem Umzug Bestand aufnimmt, bewerten lässt und die passende Struktur wählt, spart im sechsstelligen Bereich. Wer erst nach der Abmeldung fragt, zahlt. Wenn du wissen willst, was dein Wegzug konkret kostet und welche Variante zu deiner Struktur passt, buche ein Erstgespräch, wir rechnen es dir durch.

Quellen

  1. § 6 AStG, Besteuerung des Vermögenszuwachses, Volltext: gesetze-im-internet.de
  2. Voraussetzungen und Tatbestände (1 Prozent, sieben von zwölf Jahren, unentgeltliche Übertragung, passive Entstrickung), IWW und Steuerkurse: iww.de, steuerkurse.de
  3. Teileinkünfteverfahren und Bewertung nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren (§§ 199 ff. BewG), JUHN Partner: juhn.com, § 199 BewG
  4. Ratenzahlung in sieben Jahresraten, Sicherheitsleistung und Rückkehrerregelung (sieben plus fünf Jahre) seit dem ATAD-Umsetzungsgesetz 2022, Der Betrieb und KPMG: der-betrieb.de, kpmg.com
  5. § 19 InvStG, Wegzugsbesteuerung für Investmentanteile im Privatvermögen ab 1. Januar 2025 (Jahressteuergesetz 2024, Schwellen 500.000 Euro je Fonds bzw. 1 Prozent), Noerr und EY: noerr.com, ey.com
  6. Entstrickungsbesteuerung nach § 4 Abs. 1 EStG und § 12 KStG: § 4 EStG, § 12 KStG
  7. Gestaltungen zur Vermeidung (GmbH & Co. KG, Familienstiftung, Schenkung, Rückkehrabsicht), Rose & Partner und Ebner Stolz: rosepartner.de, ebnerstolz.de
  8. § 2 AStG, erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach dem Wegzug in ein Niedrigsteuerland: gesetze-im-internet.de
Clemens Kohlbacher
Clemens KohlbacherGründer & Geschäftsführer, Global Setup

Clemens berät seit über zehn Jahren Unternehmer, Investoren und Familien bei internationaler Firmengründung, Steuerstrategie und Wohnsitzverlagerung. Sein Fokus: legale, banktaugliche Strukturen, die in der Praxis halten, nicht nur auf dem Papier.

Artikel von Clemens
Wissen

Weiterlesen

Aus Deutschland Abmelden: Ablauf, Checkliste und Tipps
Auswandern

Aus Deutschland Abmelden: Ablauf, Checkliste und Tipps

Deutschland sowie weitere Länder in der EU sind in den letzten Jahren aufgrund politischer Unsicherheit, hoher Steuern und wirtschaftlichen Problemen für Leistungsträger immer uninteressanter geworden. Entsprechend wande

14. Juli 2026·9 min Lesezeit
Malta Auswandern Guide: Vorteile, Steuern und Kosten
Auswandern

Malta Auswandern Guide: Vorteile, Steuern und Kosten

Malta ist eine beliebte Steueroase in Europa und zieht nicht nur Touristen, sondern auch immer mehr Auswanderer. Neben dem schönen Wetter locken auch attraktive Steuervorteile viele Unternehmer und Investoren nach Malta.

5. Juli 2026·7 min Lesezeit
Thailand auswandern 2026: Visa, Kosten und die neuen Regeln
Auswandern

Thailand auswandern 2026: Visa, Kosten und die neuen Regeln

Thailand gehört seit Jahren zu den beliebtesten Auswanderungszielen für Deutsche, Österreicher und Schweizer. Sonne, niedrige Lebenshaltungskosten und eine große Community sprechen dafür. Die Regeln für den Aufenthalt ha

2. Juli 2026·13 min Lesezeit
Reisepass, Symbol für internationale Mobilität

Unklarheit bei Steuern, Banking oder Auswandern?

Vereinbare ein 30-minütiges Gespräch mit einem Senior-Berater. Wir beantworten deine Fragen und erarbeiten den besten Weg zu deinen Zielen.